Um viertel vor acht finde ich mich überpünktlich am Feierwerk ein, denn um 20 Uhr soll laut Website Einlass sein, und es wäre ja nicht erst einmal vorgekommen, dass kurzfristig die Bedeutung von Einlass und Konzertbeginn vertauscht wurde. Aber heute ist alles wie geplant, denn die Türen werden pünktlich geöffnet, und zirka eine halbe Stunde später steht auch schon die erste Band auf der Bühne.
Für diesen Teil der Tour haben schlussendlich SWORN aus Norwegen den Zuschlag bekommen, die diese Gelegenheit nutzen, um ihr Debütalbum „The Alleviation“ vorzustellen. Leider meint es der aus der PA tönende Sound nicht sonderlich gut mit ihnen, denn durch den matschigen Gitarrensound kann man leider nicht viel erkennen. Die Band müht sich redlich ab, ihren melodischen Black/Death Metal an den Mann und die Frau zu bringen, aber so richtig will der Funke zu den derzeit vielleicht 80 Zuschauern nicht überspringen. „Night’s Blood“ von Dissection wählt die Band als abschließenden Song, für den sie dann doch noch etwas mehr als Höflichkeitsapplaus vom Publikum erhält.
Nach einer angenehm kurzen Umbaupause geht es dann mit den deutschen Schwarzmetallern von HELRUNAR weiter, deren neues Album „Baldr ok Íss“ im kommenden Monat erscheinen wird. Man merkt deutlich, dass die nun schon zahlreicher anwesenden Fans (letzten Endes werden es wohl knapp 200 Besucher an diesem Abend werden) nicht nur wegen Behemoth und Aborted hier sind, sondern auch wegen dieser Band. Der Sound ist nun auch ein ganzes Stück besser, was aber auch daran liegen könnte, dass HELRUNAR mit nur einer Gitarre auftreten, und dadurch einfach weniger Matsch entstehen kann. Bei den ersten Klängen des Openers „Frostnacht“ kommt schon richtig Bewegung in die Menge, und der zweite Song „Älter als das Kreuz“ wird begeistert mitgesungen. Im Anschluss wenden sich HELRUNAR ihrem kommendem Album zu, von dem das rasend schnelle „Íss“ und der beim Summer Breeze schon vorgestellte Song „Glámr“ bestens beim Publikum ankommen. Mit „Dreifach Dorn“ kann die Band dann anschließend noch richtig dick Punkte sammeln – diesen Song kann man wohl als ihren ersten kleinen „Hit“ bezeichnen. Und dann ist leider auch schon wieder fast Schluss, denn nach „Til Jarðar“ vom kommenden Album ist ihre Spielzeit leider schon wieder um. Aber egal, der Auftritt war zwar kurz, dafür richtig gut – und nur das zählt!
Nach einer ebenfalls löblich kurzen Pause betreten dann die Belgier ABORTED mit den netten Worten „Hello Munich, it’s time for some tinky winky music!“ die Bühne, und eigentlich will ich mich nun weiter nach hinten zurückziehen, denn ein großer Death/Grind Fan bin ich eigentlich nicht. Aber ich werde positiv überrascht, denn ABORTED sind live richtig gut! Angefeuert von ihren Fans, brettern sie extrem tight durch ihre abwechslungsreichen, und dadurch angenehm kurzweiligen Songs. Von kurzen Thrash-Einschüben, über messerscharfe Breaks und melodische Parts bis zu derben Grind Core Einlagen wird hier viel geboten. Was die Band aber wirklich gut macht, ist die Tatsache, dass sie sich richtig brutal anhört, und das schön aggressive Auftreten passt da perfekt dazu. Die Fans der Band sind sichtlich begeistert, und so entsteht auch kurzzeitig ein kleiner Pit, und die ersten Stagediver segeln durch die Menge. Nach zirka einer dreiviertel Stunde ist dann Schluss, und die Zeit ist reif für den Headliner BEHEMOTH!
Doch leider verlief der Abend zuvor anscheinend zu glatt, und es gibt nun doch noch technische Probleme mit einem Verstärker, was die letzte Umbaupause leider arg in die Länge zieht. Aber irgendwann ist dieses Problem dann auch behoben, und BEHEMOTH betreten nach dem Intro von „The Apostasy“ die Bühne, um gleich mit „Slaying the Prophets of Isa“ zu zeigen, warum sie die Headliner dieser Tour sind. Nergal ist bis in die Haarspitzen motiviert, und peitscht das Publikum immer wieder an, und dieses kommt den Aufforderung gerne nach und feuert die Band lautstark an. Auch optisch machen BEHEMOTH etwas her, denn durch ihr aggressives Auftreten und ihre Bühnenklamotten sehen sie aus wie die schwarzmetallische Version der Mad Max Endzeitkrieger. Neben dem obligatorischen Backdrop hängen auch noch links und rechts vor den Gitarrenboxen zwei riesige doppelköpfige Adler aus Metall, wie man sie von ihren letzten Veröffentlichungen kennt – sieht sehr cool aus!
Neben Songs des neuen Albums wie z.B. „Prometherion“ und „Christgrinding Avenue“ bieten BEHEMOTH erstmal hauptsächlich Songs der letzten drei Alben, wie „Conquer all“, „Slaves shall serve“, „As Above so Below“ und „Antichristian Phenomenon“. Als dann Nergal als Reminiszenz an ihre alten Black Metal Anfangstage „Summoning of the Ancinet Ones“ vom „... from the Pagan Vastlands“ Demo ankündigt, bin ich mehr als nur überrascht – mit diesem Song hätte ich niemals gerechnet, und richtig geil war er! Danach geht es leider schon dem Ende der Show entgegen, aber mit „Christians to the Lions“ und „Decade of Therion“ packen BEHEMOTH noch zwei ihrer besten Songs aus, und die Fans geben nochmals alles – sichtlich zur Freude von Nergal, der an diesem Abend das Publikum bestens im Griff hat!
Nach einer kurzen Pause kommt die Band auch schon wieder auf die Bühne zurück, und spielt mit „Chant for Eschaton 2000“ zu meiner Freude meinen erklärten Lieblingssong vom „Satanica“ Album. Bei diesem hat Nergal die Maske auf, die man auch vom Booklet der neuen CD kennt, und nachdem Drummer Inferno während dem regulären Set eine Feuerspuckeinlage hatte, ist Nergal nun mit einer Blutspuckeinlage dran. Aber damit ist noch nicht Schluss, denn BEHEMOTH packen noch einen Coversong aus, aber nicht Mayhem oder Morbid Angel, wie man es vielleicht erwarten könnte, sondern Turbonegros „I got Erection“ (!!!) – wenn das mal nicht eine überraschende Wahl ist! Die Fans nehmen den Song auf jeden Fall begeistert auf, und danach ist der Konzertabend wirklich an seinem Ende angelangt.
Fazit: BEHEMOTH sind live eine absolute Macht, und wenn man mit HELRUNAR und ABORTED noch zwei weitere Killerbands an einem Abend geboten bekommt, dann hat sich dieser mehr als nur rentiert!