Viel geändert hat sich auf dem dritten Album der Südtiroler Gothic Black Metal- Band Graveworm nicht. Noch immer schwelgt man in melancholischen Melodien, die sich mit vehement bemerkbar machenden Winterstürmen vermengen. Andererseits tauchen vermehrt ruhende, klassisch geprägte Passagen auf. Zudem verlagerte Sänger Stefan den Gesang mehr in Richtung Black Metal, orientierte er sich doch vor allem auf dem Debüt noch stärker an vom Death Metal geprägten Geschrei. Es sind zum Heulen schöne, dunkle Hymnen entstanden, die das Wasser gefrieren lassen. Das Werk gleicht einer schönen Eiskönigin, deren phantomhafte Erscheinung jeden in ihren Bann zieht. Betörend und lockend nimmt sie dich in Besitz. Sobald man sich ihr nähert, entschwindet sie, da sie durch die Berührung eines Sterblichen schmelzen könnte. Insofern besitzt dieses Album etwas Geheimnisvolles, dass sich nie vollends zu erkennen gibt. Ein sanftes, unsagbares Schaudern bleibt zurück. Als thematische Grundlage dienten alte Sagen aus Südtirol, die künstlerisch frei umgestaltet wurden. Und manchmal tauchen sie aus dem Nichts auf: Sonnendurchflutete Wälder, in denen der rastlose Wanderer verweilen möchte, sich dann aber doch nach kurzer Rast zum nächsten Abenteuer begibt, da sich das Rauschen der Blätter im Wind unmerklich, aber stetig in das tränenverhangene Schluchzen von Violinen und Dudelsäcken verwandelt. Trotz eines nicht zu verleugnenden Innovationsstaus ist Graveworm eine ansprechende, herb-romantische CD gelungen, die verzaubert und nach Beendigung des Hörens ein sanftes, von alten Legenden kündendes Raunen im Raum hinterlässt.
Tracks:
1. Dreaded Time
2. Unhallowed By The Infernal One
3. Abandoned By Heaven
4. Descending Into Ethereal Mist
5. Threnody
6. Demonic Dreams
7. Fear Of The Dark
8. In Vengeance Of Our Wrath
9. Ars Diaboli
10. Sanctity Within Darkness