Turn On The Bright Lights, das vor zwei Jahren erschienene Debüt Interpols war eine kleine Sensation. Der Retro-Wave der New Yorker traf damals den Nerv der Zeit und konnte mit einer ansprechenden Klangmelange aus den Komponenten Chameleons, Smiths und Joy Division für Begeisterung sorgen. Nun erscheint mit Antics das Nachfolgewerk der stilbewussten Anzugträger. Das zweite Album wird im Vergleich zum Vorgänger von einer gelösteren Stimmung getragen. So beginnt es mit dem entspannten Next Exit, dass einer gemächlichen Autofahrt gen Sonnenuntergang gleichkommt. Nachdem das imaginäre Ziel der kleinen Reise erreicht ist, machen sich die Insassen locker, drehen das Radio auf und schlendern durch die Gegend. Der für Interpol so charakteristische Bass wummert - gleich einem sich durch den Untergrund schaufelnden Maulwurf - durch die Erde. Das Schlagzeug verrichtet scheppernd das Nötigste. Auch die Gitarren wirken in ihrer spröden Holzigkeit reduziert und beschränken sich auf das Wesentliche. Das schafft Platz, weswegen dem morphinen, aber dennoch fordernd-bestimmten Gesang viel Raum gegeben werden kann. Eine subtile, dezent an Placebo erinnernde Zerbrechlichkeit haftet Antics an. Manchmal hat es den Anschein, als würde jeder der Musiker für sich spielen. Verträumt verlieren sich die Instrumente im eignen Ich. Plötzlich besinnen sie sich wieder und stimmen wie auf ein geheimes Signal hin unisono elegische Hymnen an. Erhebend klingt das und lässt an den nostalgischen 70er Jahre- Pathos von The Divine Commedy denken. Interpol wirken gleichzeitig holprig und filigran. Sie driften ab, gleiten aber im gleichen Moment auf wunderschön geformten Klangwellen dahin. Die Lieder berühren, machen nachdenklich, hinterlassen aber dennoch keine Melancholie, sondern ein wohliges Gefühl der Unbestimmtheit. Die Songs streicheln kratzend, schaffen eine spröde Harmonie, intonieren mitreißende Refrains und sind – obwohl nachvollziehbar – nicht zu eingängig, weswegen man sich Antics immer wieder anhört, ohne dass das Album langweilen würde. Wie machen die das? Da ist wohl Magie im Spiel. Wenn nur nicht dieser belanglose Opener wäre; den hätten Interpol nämlich einfach weglassen können. Aber egal, der Übersong Slow Hands macht das fast wieder wett.
Tracks:
01. Next Exit
02. Evil
03. Narc
04. Take You On A Cruise
05. Slow Hands
06. Not Even Jail
07. Public Pervert
08. C'mere
09. Length Of Love
10. A Time To Be So Small